
| > Höhepunkte > Tagebuch > Album > Gästebuch Die Überquerung der Vercors-Hochebene (Teil 1)
Der
Verzweiflung nahe
Wir hatten bereits etwas Routine im Suchen von Auswegen. Allerdings waren die Esel mit unseren Vorschlägen nicht immer einverstanden. Beispielsweise als wir in einem steilen Waldstück unverhofft zu einem Engpass kamen, den die Esel unmöglich passieren konnten. Wir mussten anhalten und eine Alternative suchen. Und das war nicht so einfach: Auf beiden Seiten steile Wildnis mit umgestürzten Bäumen und Karstfelsen - und Esel, die umkehren wollten! Mit Aladin und Joggi war es nämlich so eine Sache. Wenn sie genug Zeit hatten, den bevorstehenden Wegabschnitt eingehend zu prüfen, dann kamen sie zur Überzeugung, dass es besser sei, umzukehren. Dann hatten wir alle Hände voll zu tun, sie daran zu hindern. Gleichzeitig mussten wir zu Fuss nach Umgehungsmöglichkeiten suchen. Mehrere Varianten scheiterten entweder am Gelände oder an den Eseln, welche die Schnauze voll hatten und endlich umkehren wollten. Dann doch noch
eine Stelle, die passabel schien. Diesmal klappte es und ich
konnte Aladin zum Weiterklettern motivieren. Da rutschte er auf
den nassen Felsen aus und stürzte. Hier lag er nun mit seinen
fast siebzig Kilo Gepäck und machte keine Bewegung mehr. "Komm
Aladin, versuch' aufzustehen." Wir warteten, bis er sich
regte und zogen dann mit aller Kraft am Sattel, um ihm das Gewicht
etwas weg zu nehmen. Nach dem dritten Versuch stand er wieder
auf den Beinen. Hier konnten wir auf keinen Fall weiter ohne
einen Beinbruch zu riskieren.
Es war zum Verzweifeln! Wir mussten unbedingt vorwärts kommen, wenn wir nicht in dieser steilen Wildnis übernachten wollten. Die letzte Möglichkeit war, die Stelle grossräumig zu umgehen und zu riskieren, dass wir die Markierung verloren. Also los! Wir trieben die Esel mit allen Mitteln quer durch das Unterholz, zwischen Felsbrocken und querliegenden Bäumen hindurch. Immer die beste Möglichkeit suchend und immer in die Richtung, in der wir den Weg vermuteten... Und plötzlich standen wir wieder auf dem Weg. Noch ein paar hundert Meter und das Chaos war hinter uns. ![]() Endlich raus! Nach dem fast unendlich scheinenden Steilhang fühlen wir uns wie neu geboren. Doch an ein Ausruhen war nicht zu denken, es dauerte noch lange bis zur Cabane...
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